Wooden Peak – Polar

polar

Lumen hat mich zurück zu akustischer Musik geführt. Jetzt, gut anderthalb Jahre später, kommt mit Polar das dritte Album von Wooden Peak. Lumen, natürlich irgendwo untergegangen, wird wieder ausgekramt. Pills Start Work habe ich auch seit langem mal wieder gesehen.

Polar steht nicht im Widerspruch zu Lumen. Es ist wie eine Ergänzung. Vielleicht passt es mehr zur dunklen Jahreszeit, vielleicht aber auch nicht. Factory Park mit seiner entspannten Hyperaktivität fängt mich sofort ein. Ich sitze auf meinem Sessel und trommle auf den Knien mit. Überhaupt, die Drums machen mir viel Spaß und sind vermutlich auch ein Grund, wieso ich Wooden Peak so gerne höre. Weil ich Trommeln mag. Dann ist da noch der kleine Shaker, die off-beatige Snare, immer wieder Trommelwirbel – und ich verliere mich im Detail.

Ferdi & Quem holt mich zurück aus meiner Traumwelt und wirft mich in eine andere Blase. Ganz zart und analog das Ganze. Mit Vogelzwitschern. Schön. Während Hooverbag läuft bin ich schon wieder im nächsten Film. Langweilig könnte das werden, denke ich mir so. Wird es aber nicht. Jedes Lied ist ein anderer Film. Mal ist er actiongeladen, mal romantisch. Mal dramatisch, mal lustig. Und irgendwie erhebt sich das Ganze irgendwann zu einem epischen Moment. So, als seien die einzelnen Lieder Bestandteil eines großen Ganzen.

Also doch alles nur Szenen? Und nur von vorne bis hinten gehört, ergibt alles einen Sinn? Paper Scissor Stone wäre der Höhepunkt — Polar, also das Lied, das retardierende Moment.

Polar, jetzt ist wieder das Album gemeint, eignet sich, wie schon Lumen, nicht wirklich zum nebenbei Hören. Mich begeistert viel mehr das Filmische, das große Kino, das entsteht, wenn man sich der Musik hingibt. Draußen ist es kalt, aber Polar weckt in mir den Drang etwas zu erleben – das Album als Soundtrack.

Ich zünde eine Kerze an und gucke in die Flamme. Sie lodert passend zum Takt, während Shrimp läuft. Ich trommle wieder vor mich hin und versinke in Gedanken. Vor meinem inneren Auge sehe ich Szenen die gut passen. Es ist, wie eine Geschichte erzählt zu bekommen. Ein bisschen skuril, aber doch schön. So wie das bei Musik sein sollte. Mit viel Liebe zum Detail.

Who Blinks First ist dagegen fast eine Abrechnung mit der Träumerei zuvor. Wer blinzelt zuerst? Wer wacht auf?

Wir wissen es nicht. Aber so schöne Musik macht mir immer wieder klar, dass da draußen noch viel mehr existiert, als wir hier überhaupt aufnehmen können. Nicht zuletzt darum ist so ein Album auch immer ein Exkurs. Ein bisschen wie zu Schulzeiten. Wenn man froh ist mal aus dem immer gleichen Trott heraus zu kommen. Ein Gang aufs dünne Eis – denn hier ist man nicht zu Hause. Auch wenn es sich sofort so anfühlt.

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