Immergut 2018

Ich war in den vergangenen Jahren auf dem ein oder anderen Festival. Und wie die Festival-Besucher unter euch wissen, hat man dann meistens dieses eine Festival, für dass das Herz schlägt  und man will eigentlich nirgendwo anders mehr hin. Ein bisschen so ist das bei mir dem Immergut. Ich war in den letzten beiden Jahren dort und habe beide Male mein Herz da gelassen – Gott sei Dank waren die Leute jedes mal so gut, mir mein Herz nachzusenden!

Das Schöne am Immergut ist, dass man recht entspannt tagsüber der „klassischen“ Indie-Rock-Musik frönen kann. Und wenn es dann Nacht wird, ist auch für ein kleines, aber sehr gut ausgewähltes elektronisches Tanzprogramm gesorgt. Dieses Jahr sind unter anderem die derzeit sehr viel und gut besprochene Kat Frankie, oder auch der maskierte Pianist Lambert fürs Hauptprogramm und Ada und Makeness für die Nacht angekündigt.

Abgesehen davon, und, weil es ein bisschen aus dem Restprogramm fällt, sollten noch die 11 Freunde-Lesung und Suff Daddy & The Lunch Birds erwähnt werden. Ersteres, weil ich das als Fußballfan nur gutheißen kann und damit vielleicht auch das Immergut-Fußballturnier eine besondere Wertschätzung erhält. Und letzteres weil mir Suff Daddy als Produzent von sehr guten Hip-Hop-Beats schon das ein oder andere Mal über den Weg gelaufen ist.

Jetzt ist es an mir, euch dieses wunderbare Festival ans Herz zu legen. Ich habe ein einfaches und deswegen gut verständliches Argument für euch: Fahrt nach Neustrelitz, denn es ist sehr, sehr schön – es gibt auch noch Tickets!

Jincheng Zhang

Das ist schon lustig: ein Chinese, von dem niemand etwas vorher gehört hat, veröffentlicht auf sämtlichen Streaming-Plattformen dieses Planeten innerhalb kürzester Zeit 95 Alben. Seine auf YouTube hochgeladenen Videos lassen vermuten, dass die Alben folgendermaßen entstanden sind: Er setzt sich vor die Kamera, klimpert auf dem Klavier rum, oder spielt einen Beat ein und brabbelt/summt/singt irgendetwas unverständliches hin. Tonspur extrahieren und fertig ist der Song. So ungefähr sehen ja auch die Albumcover aus. Sehr vielmehr als die Videos und die Alben auf den Plattformen hat Jincheng Zhang bisher aber noch nicht preis gegeben.

Dass die Qualität dieser Veröffentlichungen eher für den Mülleimer, als für die Gehörgänge ist, ist relativ eindeutig. Das amüsante daran ist vielmehr, dass hier jemand auf eine etwas andere Art (ungewollte) Kritik übt: Er veröffentlicht mit geringstem Aufwand auf allen Plattformen und generiert so Klicks und womöglich auch noch Verkaufszahlen. Allein weil er jeden sich bietenden Kanal nutzt stellt er in meinen Augen damit auch die modernen Verbreitungskanäle von Musik in Frage. Immerhin spült der Spotify-Algorithmus ihn mittlerweile bei einigen Nutzern in die automatisierten Playlists, was ihn in einer gewissen Art und Weise als Musiker legitimiert.

Auf eine Anfrage hat er zwar mittlerweile reagiert, aber hat die Welt nur wissen lassen, dass er derzeit zu beschäftigt sei, um weitere Antworten zu geben.

Boris Vian – Disco

Wogegen Richard sich noch wehrt, ist für mich dann eben doch schon mein Alltag. Ich höre tagtägliche über Spotify Musik und auch jeden Woche meinen „Mix der Woche“ – eine von einem Algorithmus anhand meiner Hörgewohnheiten generierte Playlist, die mindestens jede zweite Woche gut ist.

Und in eben jenem „Mix der Woche“ wurde mir dann diese Woche ein richtig guter Titel empfohlen: „Disco“ von Boris Vian aus Ecuador. (Mein Spanisch ist leider sehr schlecht und ich habe auch nichts dazu gefunden, weswegen ich keine Ahnung habe, warum man sich als Musiker aus Ecuador nach einem französischen Schriftsteller und Jazz-Trompeter des vergangenen Jahrhunderts benennt.)

Die Nummer ist aber eine wahre Perle. Meinem Kollegen war es etwas zu langsam. Für mich ist’s genau richtig.

Martin Kohlstedt

Ich kenne Martin Kohlstedt jetzt schon eine ganze Weile. Und ich begleite sein musikalisches Schaffen als Solo-Künstler seit seinem ersten Album. Ich habe ihn in den vergangenen Jahren bestimmt fünf Mal auf einer Bühne gesehen und hatte eigentlich jedes Mal dieses eine Gefühl, dass ich nur von ihm kenne. Und ich habe mich auch schon häufig mit ihm über das unterhalten, was er da macht. Und wollte jedes Mal nicht so ganz verstehen, was er genau meint, wenn er über seine Musik spricht. Da passiert ganz viel zwischen den Tönen und Zeilen, dass sich einem eben nicht auf Anhieb erschließt. Sowohl bei einem seiner Konzerte, als auch bei einem Gespräch mit ihm. Dank Patrick Richter gibt es jetzt aber eine Art Zugang. Klar: Ganz ran kommt man da immer noch nicht, aber ein gehöriges Stück näher. Und es stellt sich beim Gucken dieser Kurzdoku auch ein kleines bisschen dieses Gefühl der Intimität ein, dass ich sonst bei seinen Konzerten habe.