Jincheng Zhang

Das ist schon lustig: ein Chinese, von dem niemand etwas vorher gehört hat, veröffentlicht auf sämtlichen Streaming-Plattformen dieses Planeten innerhalb kürzester Zeit 95 Alben. Seine auf YouTube hochgeladenen Videos lassen vermuten, dass die Alben folgendermaßen entstanden sind: Er setzt sich vor die Kamera, klimpert auf dem Klavier rum, oder spielt einen Beat ein und brabbelt/summt/singt irgendetwas unverständliches hin. Tonspur extrahieren und fertig ist der Song. So ungefähr sehen ja auch die Albumcover aus. Sehr vielmehr als die Videos und die Alben auf den Plattformen hat Jincheng Zhang bisher aber noch nicht preis gegeben.

Dass die Qualität dieser Veröffentlichungen eher für den Mülleimer, als für die Gehörgänge ist, ist relativ eindeutig. Das amüsante daran ist vielmehr, dass hier jemand auf eine etwas andere Art (ungewollte) Kritik übt: Er veröffentlicht mit geringstem Aufwand auf allen Plattformen und generiert so Klicks und womöglich auch noch Verkaufszahlen. Allein weil er jeden sich bietenden Kanal nutzt stellt er in meinen Augen damit auch die modernen Verbreitungskanäle von Musik in Frage. Immerhin spült der Spotify-Algorithmus ihn mittlerweile bei einigen Nutzern in die automatisierten Playlists, was ihn in einer gewissen Art und Weise als Musiker legitimiert.

Auf eine Anfrage hat er zwar mittlerweile reagiert, aber hat die Welt nur wissen lassen, dass er derzeit zu beschäftigt sei, um weitere Antworten zu geben.

Boris Vian – Disco

Wogegen Richard sich noch wehrt, ist für mich dann eben doch schon mein Alltag. Ich höre tagtägliche über Spotify Musik und auch jeden Woche meinen „Mix der Woche“ – eine von einem Algorithmus anhand meiner Hörgewohnheiten generierte Playlist, die mindestens jede zweite Woche gut ist.

Und in eben jenem „Mix der Woche“ wurde mir dann diese Woche ein richtig guter Titel empfohlen: „Disco“ von Boris Vian aus Ecuador. (Mein Spanisch ist leider sehr schlecht und ich habe auch nichts dazu gefunden, weswegen ich keine Ahnung habe, warum man sich als Musiker aus Ecuador nach einem französischen Schriftsteller und Jazz-Trompeter des vergangenen Jahrhunderts benennt.)

Die Nummer ist aber eine wahre Perle. Meinem Kollegen war es etwas zu langsam. Für mich ist’s genau richtig.

Martin Kohlstedt

Ich kenne Martin Kohlstedt jetzt schon eine ganze Weile. Und ich begleite sein musikalisches Schaffen als Solo-Künstler seit seinem ersten Album. Ich habe ihn in den vergangenen Jahren bestimmt fünf Mal auf einer Bühne gesehen und hatte eigentlich jedes Mal dieses eine Gefühl, dass ich nur von ihm kenne. Und ich habe mich auch schon häufig mit ihm über das unterhalten, was er da macht. Und wollte jedes Mal nicht so ganz verstehen, was er genau meint, wenn er über seine Musik spricht. Da passiert ganz viel zwischen den Tönen und Zeilen, dass sich einem eben nicht auf Anhieb erschließt. Sowohl bei einem seiner Konzerte, als auch bei einem Gespräch mit ihm. Dank Patrick Richter gibt es jetzt aber eine Art Zugang. Klar: Ganz ran kommt man da immer noch nicht, aber ein gehöriges Stück näher. Und es stellt sich beim Gucken dieser Kurzdoku auch ein kleines bisschen dieses Gefühl der Intimität ein, dass ich sonst bei seinen Konzerten habe.

HANT #10 Release

Meine lieben Freunde vom HANT – Magazin für Fotografie feiern heute ihr 5-jähriges Jubiläum mit der Release der 10. Ausgabe des Heftes. Ich bin mehr als erfreut (geht das überhaupt), zu diesem besonderen Anlass anwesend zu sein. Und zwar nicht nur als Gast, sondern auch als Teil des musikalischen Unterhaltungsprogramms als von – an der Seite von Disco Bernd 5000, Luné und Hagen Kleemann. Für mich auch noch einmal mehr besonders, weil ich damit heute zum ersten Mal in die Frau Korte komme und einen weiteren, mir bis dato unbekannten, Baustein der Erfurter Clubkultur zu sehen bekomme. Bisher habe ich es noch nicht geschafft, in den neuen Club im Erfurter Nordbahnhof zu gehen. Ich bin gespannt.

HANT #10 Releasparty
Frau Korte, Magdeburger Allee 179, 99086 Erfurt
ab 22 Uhr (versteht sich bei der 10. Ausgabe von selbst)